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Zahngesunde Ernährung: Zahnärztin Dr. Anne Pfau im Interview

Viele Menschen verbinden Zahngesundheit vor allem mit Zahnpflegeprodukten und regelmäßigen Kontrollterminen. Doch was wäre, wenn gesunde Zähne viel früher beginnen – nämlich auf dem Teller, im Stoffwechsel und mit Alltagsgewohnheiten?

Dr. Anne Pfau hat genau zu diesem Thema ihren Onlinekurs: Biss für Biss - functional food Mastery für starke Zähne & Systeme entwickelt. Im Gespräch mit uns erklärt sie, warum zahngesunde Ernährung weit mehr ist als nur „weniger Zucker“, weshalb Speichel eine unterschätzte Superkraft ist und wie wir Zähne nicht nur schützen, sondern wirklich nähren können.

 

Wie bist Du zur natürlichen Zahngesundheit gekommen? Oder: Was bedeutet ganzheitliche Zahngesundheit für dich persönlich? 

2020 war für mich ein Wendepunkt. Nicht nur, weil wir gesellschaftlich durch eine schwierige Phase gegangen sind, sondern weil ich mein erstes Kind erwartete und plötzlich nicht mehr nur für meinen eigenen Körper verantwortlich war. In dieser Zeit habe ich alles hinterfragt. Ganz oben auf der Liste: Fluorid.

Nachdem ich durch die Angst gegangen bin, in 10 Jahren keine Zähne mehr zu haben, habe ich das Experiment gewagt. Sechs Jahre später habe ich sie immer noch alle.

Aber es hörte nicht beim Fluorid auf. Als ich mich Stück für Stück durch die Inhaltsstoffe auf meinen Zahnpasta-Packungen gekämpft habe, kam der nächste Aha-Moment: Wieso nehmen wir das eigentlich zwei Mal am Tag in den Mund?

Ab da war für mich klar: Ich kann nicht weiter nur Symptome behandeln. Ich muss verstehen, was Zähne wirklich brauchen. Genau das ist für mich heute ganzheitliche Zahngesundheit — weg vom Reparatur-Modus, hin zur Verbindung mit dem gesamten System.

 

Welche Rolle spielt Mund- und Zahngesundheit für den gesamten Körper?

Eine viel größere, als die meisten denken. Der Mund ist nicht einfach der Anfang vom Verdauungstrakt. Er ist ein eigenes Mikrosystem, das blitzschnell auf alles reagiert: auf das, was du isst, wie du atmest, wie gestresst du bist.

Über 700 verschiedene Bakterienarten leben hier. Die Mundflora ist eng mit der Darmflora, dem Immunsystem und sogar dem Gehirn verknüpft.

Studien zeigen heute klare Verbindungen zwischen chronischen Entzündungen im Mund und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Demenz oder Schwangerschaftsverläufen.

Heißt im Klartext: Wer den Mund stärkt, stärkt seinen ganzen Körper.

 

Welche Superkräfte haben wir im Mund? Und warum ist Speichel so wichtig? 

Meine liebste Superpower: unser Speichel. Er ist viel mehr als nur Spucke. Er neutralisiert Säuren nach dem Essen, bringt Mineralien wie Calcium und Phosphat zurück an die Zahnoberfläche und ist damit der wichtigste natürliche Remineralisierer, den wir haben.

Nach jeder Mahlzeit sinkt der pH-Wert im Mund. Sobald er unter 5,5 fällt, beginnt der Zahnschmelz zu demineralisieren. Es dauert rund 20 bis 30 Minuten, bis der Speichel den pH-Wert wieder neutralisiert hat. Genau deshalb ist ständiges Snacken so problematisch.

Weitere Superkräfte: die Zunge als Nervensensor, die Mundflora als hochkomplexes Ökosystem und der Zahnschmelz als härteste Substanz im Körper.

 

Welche Rolle spielt Ernährung für gesunde Zähne? 

Putzen ist wichtig, klar. Aber Putzen allein baut keinen starken Zahn. Ernährung ist eines der wichtigsten Tools.

Zähne sind Mineralstoffdepots für unseren Körper und sensible Indikatoren dafür, wie gut wir wirklich versorgt sind. Damit dein Körper diese Mineralien überhaupt in den Zahn einbauen kann, braucht er die fettlöslichen Vitamine A, D3, K2 und E.

Außerdem entscheidet die Ernährung darüber, in welchem Milieu dein Mund lebt: Wie sauer oder basisch ist der pH-Wert? Welche Bakterien werden gefüttert? Wie oft kommt der Speichel zur Ruhe?

Ich sage gerne: Zahngesunde Ernährung ist tägliche Zahnpflege von innen.

 

Was sind die 5 goldenen Regeln für zahngesundes Essen?

  1. Mineralienreich essen: naturbelassene Ernährung, Knochenbrühe, Mandeln, Sesam, Blattgrün.
  2. Fettlösliche Vitamine integrieren: A, D3, K2 und E über Butter, Eigelb, Leber oder Sardinen.
  3. Essenspausen einhalten: lieber 3 echte Mahlzeiten statt ständiger Snacks.
  4. Zucker, Stärke und Säure clever kombinieren: Süßes oder Saures nicht isoliert zwischendurch essen.
  5. Mundflora stärken: Fermente, Bitterstoffe und gründliches Kauen fördern die guten Bakterien.

Diese Regeln sind kein Verzicht. Sie sind eine andere Perspektive auf das, was sowieso täglich passiert: nähren statt nur vermeiden.

Für ihren Kurs hat sie dazu unter anderem einen übersichtlichen Guide entwickelt:

Welche Lebensmittel sollte man vermeiden, welche stattdessen integrieren?

Eher meiden oder bewusst reduzieren:
• Industriezucker und versteckte Zucker
• Säurehaltige Snacks zwischendurch
• Verarbeitete Stärke- und Weißmehlprodukte
• Industrielle Pflanzenöle
• Künstliche Süßstoffe
• Ständiges Snacken

Stattdessen mehr integrieren:
• Mineralienquellen wie Knochenbrühe, Sesam, Mandeln, Sardinen und Blattgrün
• Fettlösliche Vitamine über Butter, Eigelb, Leber und fetten Fisch
• Fermentiertes wie Sauerkraut, Joghurt oder Kefir
• Bitterstoffe und Sauerteigprodukte

Mein Lieblingsprinzip: Es geht nicht um Verbote. Es geht um clever kombinieren.

 

Warum ist zahngesunde Ernährung schon bei Kindern so wichtig?

Weil hier die Weichen gestellt werden. Milchzähne und neu durchgebrochene bleibende Zähne sind nach dem Durchbruch noch nicht vollständig mineralisiert. Sie sind weicher und sensibler.

Was Kinder in den ersten Lebensjahren essen, prägt nicht nur ihre Geschmacksgewohnheiten, sondern auch die Stabilität ihres Zahnschmelzes und ihre Mundflora.

Karies an Milchzähnen ist fast nie nur ein Milchzahn-Thema — sie ist meist ein Spiegel des gesamten Milieus.

 

Wie kann man zahngesunde Ernährung in den (Familien-)Alltag integrieren?

Es geht nicht um Perfektion. Es geht um kleine Schritte, die langfristig den Unterschied machen.

Hilfreich sind:
• 3 echte Mahlzeiten statt Dauer-Snacking
• Zwischen den Mahlzeiten nur Wasser oder ungesüßter Tee
• Süßes bewusst zu Mahlzeiten essen
• Täglich etwas Mineralstoffreiches und Fermentiertes integrieren
• Bewusst kauen und in Ruhe essen
• Clever kombinieren, z. B. Früchte mit Nussmus oder Joghurt

Praktisch heißt das oft einfach: Feste Essenszeiten und mehr Balance im Alltag.

In ihrem Kurs stellt sie unter anderem dafür eine Checkliste für den Alltag bereit: 

Warum hast Du Deinen Onlinekurs entwickelt?

Weil ich in meinen Beratungen immer wieder denselben Satz gehört habe: „Ich putze doch so gut, wir essen doch eigentlich gesund. Warum hat mein Kind schon wieder Karies?“

Die unbequeme Wahrheit: Hauptsache gesund ist nicht automatisch zahngesund. Smoothies, viel Obst oder ständige kleine Snacks können für Zähne herausfordernd sein.

Ich wollte einen Ort schaffen, an dem Familien wirklich verstehen, was im Mund passiert — ohne schlechtes Gewissen, sondern mit konkreten, alltagstauglichen Schritten.

 

Für wen ist der Kurs besonders geeignet?

Der Kurs ist für alle, die spüren, dass mit dem klassischen „weniger Zucker, gut putzen" irgendetwas fehlt. Konkret:

Eltern, die alles „richtig" machen: Bio, Vollkornbrot, vielleicht fluoridfreie Zahnpflege und trotzdem nicht verstehen, warum ihr Kind immer wieder Karies bekommt.

Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere, die schon vor und während der Schwangerschaft die Basis für die Zahngesundheit ihres Kindes legen wollen. Genau hier werden die Zähne des Kindes mineralisiert - eines der wichtigsten Zeitfenster überhaupt.

Erwachsene mit eigenen Zahnthemen: empfindliche Zähne, wiederkehrende Karies, Zahnfleischprobleme. Die endlich den Zusammenhang zwischen Ernährung, Speichel und Mundflora verstehen wollen.

Familien, die schon bewusst essen: paleo, low-carb, traditionelle Vollwert, integrativ und ihre Erkenntnisse jetzt auch auf die Zähne übertragen wollen.

Zahnärztinnen, Hygienikerinnen, Heilpraktikerinnen, Hebammen und Ernährungsberaterinnen, die ihren Patientinnen mehr mitgeben wollen als „bitte weniger Zucker" und ein fundiertes, ganzheitliches Bild brauchen.

 

Was ist der wichtigste Tipp, den Du Menschen für gesunde Zähne mitgeben würdest?

Hör auf, deine Zähne nur von außen zu verteidigen — fang an, sie zu nähren.

Der größte Hebel liegt nicht in der nächsten Spezialzahnpasta, sondern darin, wie du täglich isst, lebst und atmest.

Gib deinem Mund Pausen. Versteh, was dein Speichel leisten kann — und gib ihm die Bedingungen dafür.

Zähne sind keine toten Steine im Kiefer. Sie sind lebendig. Behandle sie so, und sie werden es dir mit jedem Biss zurückgeben.

Fuel, not fear. Biss für Biss.

 

Unser Fazit:

Wir sind dankbar für das informative und ausführliche Interview mit Dr. Anne Pfau. Das Interview und ihr Onlinekurs zeigen, dass Zahngesundheit nicht erst beim Zähneputzen beginnt, sondern viel früher — bei dem, was wir täglich essen, wie wir leben und welche Bedingungen wir unserem Körper geben.

Der Mund ist kein isolierter Bereich, sondern Teil eines intelligenten Systems, das eng mit dem gesamten Körper verbunden ist. Ernährung, Essensrhythmen, Speichel, Mundflora und Nährstoffversorgung spielen dabei eine zentrale Rolle.

Es braucht dafür keine Perfektion und keine Angst, sondern Verständnis, kleine alltagstaugliche Schritte und den Blick auf das große Ganze: nähren statt nur reparieren — Biss für Biss. 


Wenn Du tiefer in das Thema einsteigen möchtest und einfache Alltagstipps für eine zahngesunde Ernährung von der Fachexpertin lernen möchtest, dann ist Dr. Anne Pfaus neuer Online-Kurs genau das richtige.

:pfeil_rechts: Übrigens: Exklusive teethlovers-Communitymitglieder, die sich für unseren Newsletter eingetragen haben, erhalten am Sonntag einen Rabattcode für den Onlinekurs „Biss für Biss – Functional Food für starke Zähne und Systeme“.

 

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